Das Armaturwerk Fortschau ...

... und die Ausstellung im Heimat- und Handfeuerwaffenmuseum Kemnath

(Ursprüngliche Version von Gerhard Schultes. Die hier vorliegende, erweiterte und redigierte Fassung von Sebastian M. Thiem M.A.)

Die Arbeitsgruppe "Armaturwerk Fortschau" widmet sich der Geschichte jenes Armaturwerks, das von 1689 bis 1801 in Fortschau bei Kemnath bestand. Sie betreut darüber hinaus die Sammlungdes Kemnather Heimat- und Handfeuerwaffenmuseums.

Der Begriff "Armatur"

Heute assoziiert man mit dem Begriff „Armatur“ zumeist Teile von Maschinen oder Apparaten bis hin zu sanitären Einrichtungen. Doch die Etymologie des Wortes Armaturhat ihren Ursprung im lateinischen armātūra, das sich mitmilitärischeAusrüstung, Bewaffnung(zu lat. armāre ausrüsten) übersetzenlässt. Entsprechend konnotiert ist das bekannte Cicero-Zitat: „Inter arma silent leges...“ Unter Waffen schweigen die Gesetze. Anfang des 16. Jahrhundertswird der Begriff ins Deutsche entlehnt, bleibt bis ins 19. Jahrhundertals militärsprachliches Fachwort erhalten und wird danach auf technische Ausstungen verschiedener Art übertragen, womit sich der Kreis zur heute geläufigen Bedeutung schließt.

Bayerische Armee mit Fortschauer Waffen beliefert

Vor rund 200 Jahren attestierte Ingenieur und Major Johann Carl Pigenot den Büchsenmachern aus Kemnath und Fortschauhohe Fachkenntnis, als er auf Befehl des Kurfürsten eine Inspektion vor Ort durchführte. Mehr als 100 Jahre lang wurde die bayerische Armee mit Gewehren und Bajonetten aus Kemnath beliefert, und auch nach der Auflösung des Werkes im Jahre 1801 fanden die Gewehre der Kemnather Büchsenmacher weiterhin Absatz, dies waren nun zivile Waffen zu jagdlichen Zwecken oder dem Standschießen.

Unabhängig vom Ausland

Gründer des Armaturwerks Fortschau war Maximilian II. (Max) Emanuel, bayerischer Kurfürst von 1679 bis 1726, um bei der Ausstattung seines stehenden Heeres (miles perpetuus) mit Handfeuerwaffen vom Ausland unabhängig zu werden. Die Herausbildung des miles perpetuus verlangte dem absolutistischen Staat nicht nur umfangreiche ökonomische Leistungen ab, er bedurfte auch eines steten und sicheren Zufluss an Waffen und militärischer Ausrüstung, ohne die ein stehendes Heer schlechterdings aufgestellt und unterhalten werden konnte.

Dieses Bestreben war zeitgenössisch Usus, so beschafftedas Königreich Preußen seinen Bedarf an Steinschlossgewehren, Bajonetten und sonstigen Waffenvor 1722 im Ausland. Prädestinierte Bezugsorte waren das belgische Lüttich, das zeitgenössischüber ein komplexes und leistungsfähiges Waffenmanufakturwesen verfügte. Weder unter ökonomischen (merkantilistischen) noch militärischen Gesichtspunkten war diese Situation befriedigend. So entschloss sich König Friedrich Wilhelm I. Anfang 1721 dazu, eine entsprechende Manufaktur im Land zu errichten. Die heimische Fabrikation sollte Staat und Armee von fremdländischen Importen unabhängig machen und Geldbeträge im Land halten, beides dezidiert merkantilistische Grundsätze. Die gleichen Grundsätze waren auch schon rund dreißig Jahre früher in Bayern tragend.

Hier weiterlesen: Fichtelberg oder Fortschau?

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