Manchmal sind es nicht die großen und kostbaren Dinge, die Erinnerungen bewahren. Manchmal genügt eine kleine Postkarte – und plötzlich sind längst vergangene Stimmen, Orte und Geschichten wieder lebendig.

Unser Exponat des Monats Oktober ist eine solche besondere Erinnerung: eine Schallpostkarte mit dem „Kulmainer Heimatlied“.

Das Lied wurde um 1925 vom beliebten Kulmainer Pfarrer Johann Baptist Kohlhepp geschrieben, der von 1917 bis 1933 als Pfarrer in Kulmain wirkte. In fünf Strophen besingt er die Heimat rund um Kulmain – den Armesberg, den Rauhen Kulm und die Wälder des Fichtelgebirges. Es geht um Heimatverbundenheit, um die Landschaft und vor allem um das Gefühl, das einen Menschen mit dem Ort verbindet, an dem er aufgewachsen ist.

Um 1960 wurde das „Kulmainer Heimatlied“ vom Kulmainer Kirchenchor unter der Leitung von Herrn Kulzer neu eingesungen. Die Aufnahme entstand auf Initiative des damaligen Ortspfarrers Johann Vogel und wurde anschließend auf einer damals beliebten Schallpostkarte veröffentlicht.

Solche Schallpostkarten waren eine kleine Besonderheit ihrer Zeit: Auf einer scheinbar ganz normalen Postkarte befanden sich Schallplattenrillen. Zum Abspielen wurde die Karte auf einen Plattenspieler gelegt. Eine schöne Möglichkeit, nicht nur Grüße und Bilder, sondern auch Musik und Stimmen zu verschicken.

Besonders eindrucksvoll ist bei der Kulmainer Aufnahme der gesprochene Begleittext von Pfarrer Johann Vogel. Mit großer Inbrunst und geradezu theatralischer Stimme erzählt er vom Armesberg, seiner Geschichte und seiner Bedeutung für die Menschen. „Einen frohen, herzlichen Gruß möchten die Glocken vom Armesberg Ihnen ins Herz läuten“, beginnt seine Ansprache – und schon nach wenigen Worten wird deutlich, wie eng Landschaft, Glaube und Heimatgefühl miteinander verbunden waren.

Für das Musikeum ist diese kleine Schallpostkarte deshalb weit mehr als ein historischer Tonträger. Sie bewahrt ein Stück Kulmainer Ortsgeschichte und Erinnerungskultur – und sie zeigt, wie Menschen früher ihre Heimat in Wort und Musik festhielten.

Auch die Geschichte, wie dieses Exponat seinen Weg ins Musikeum gefunden hat, ist eine ganz persönliche: Schon als Kind hatte Anton Heindl in den 1970er-Jahren in der Armesbergkirche eine solche Schallpostkarte gekauft. Damals war sie für ihn vor allem etwas, das man unbedingt hören wollte. Dafür musste die Postkarte allerdings rundum ausgeschnitten werden, damit sie auf dem Plattenspieler abgespielt werden konnte, der am Röhrenradio angeschlossen war.

„Viele Jahre später entstand der Wunsch, eine solche „fabrikfrische“ Schallpostkarte aus der Kindheit für das Musikeum zu erwerben“, erzählt Anton Heindl. Die Suche blieb lange erfolglos. Bis die Kulmainer Gemeinderätin Sybille Bayer auf seine Bitte hin unermüdlich weitersuchte und schließlich im Elektrogeschäft Schmid in Kulmain in einem alten Bestand einen kleinen Schatz entdeckte: einen Koffer mit längst vergessenen Schallpostkarten.

Damit konnte Anton Heindl ein Stück persönlicher Kindheitserinnerung zugleich zu einem neuen Exponat der Kulmainer und Kemnather Musikgeschichte erwerben.

„Dafür ein herzliches Dankeschön an Sybille Bayer – und ebenso an das Elektrogeschäft Schmid in Kulmain, durch dessen alten Bestand diese besondere Schallpostkarte erhalten geblieben ist“, so Anton Heindl.

Wer das „Kulmainer Heimatlied“ nicht nur lesen, sondern auch hören möchte, findet auf der Internetseite des Vereins Freunde des Armesbergs e.V. weitere Informationen, Fotografien und Hörproben.